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Das sogenannte „Referendum über den Beitritt der Volksrepublik Donezk, der Volksrepublik Lugansk, des Gebiets Zaporozhye und des Gebiets Cherson zu Russland“ verlässt nicht die Titelseiten der angesehensten Zeitungen. Inzwischen schreiben  Autoren der meisten Veröffentlichungen voneinander ab,  wir sehen aber keinen Material aus der Gegend, wir sehen die Fakten nicht. Das ist seltsam, da das Ereignis die größte Aufmerksamkeit erregt haben. Die Leser sind nicht an den subjektiven Meinungen der Autoren interessiert, die die betroffene Gebiete nicht besucht haben – Leser braucht Fakten. Was ist dort eigentlich passiert, was bedroht die Einwohner, warum haben sie sich dafür entschieden, was sind die Gründe für dieses Referendum? Wir haben auf Umstände hingewiesen, die betont werden müssen, damit unsere Leser mehr Fakten erfahren und ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen könnten.

 

Das Referendum vom 23. bis 27. September 2022 ist nicht das erste in der Ukraine. 2014 kam es zu den blutigen Ereignissen des Euromaidans und der Massaker in Odessa am 2. Mai, die in Analogie zu den Pogromen des Zweiten Weltkrieges den Namen „Odesser Chatyn“ erhielt. Die UNO hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die ukrainischen Behörden keine Untersuchung dieser Ereignisse durchgeführt haben (https://ukraine.un.org/en/126054-7-no-answers-what-lacking-investigations-events-odea-2-may-2014). Außerdem fuhren Autokolonnen mit radikalen ukrainischen Nationalisten in die Donbass-Region, um die ansässige russischsprachige Bevölkerung, die den Euromaidan nicht unterstützt haben, zu massakrieren. (https://en.m.wikipedia.org/wiki/War_in_Donbas). Anschließend hielten am 11. Mai 2014 die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk Referenden über ihre Trennung von der Ukraine ab und erklärten die Souveränität nach dem Vorbild der Unabhängigkeitserklärung Kosovos am 17. Februar 2008. Seit 2014 tobt in der Ukraine ein blutiger Bürgerkrieg – auf dem Territorium Europas ist die Zivilbevölkerung dieser Region in ständiger Gefahr.

 

Die Ereignisse in der Ukraine führten 2022 dazu, dass Russland die sogenannte „Specialoperation“ durchzuführen begann, deren Zweck die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine sowie der Schutz der russischsprachigen Bevölkerung ist. Wir haben bemerkt, dass die Flüchtlinge  in die Gebiete zurückkehrten, die von den Streitkräften der DVR, LVR und Russlands kontrolliert wurden.  Washington Post sprach mit der ansässigen Bevölkerung, die in die von Russland kontrollierten Gebiete zurück ging. (https://www.washingtonpost.com/world/2022/08/28/ukraine-rusia-occupied-territory-crossover). Leute sagten den Reportern, dass sie der Gefahr entkommen wollten. Auch Euronews schreibt, dass Ukrainer in die von Russland kontrollierte Gebiete zurückkehren (https://ru.euronews.com/2022/07/21/ukraine-2107ma). Durch den einzigen Kontrollpunkt in Zaporozhye passieren täglich 150 – 200 Autos Richtung Ostens. Die Flüchtlinge gaben an, dass sie deswegen zurückkehrten, weil sie sich mit ihren Familien wieder zu vereinen wollten, und weil sie auf ukrainischem Territorium keine Arbeit finden konnten. Darüber hinaus werfen die russischen Medien den ukrainischen Streitkräften Gewalttaten und Völkermord an der Zivilbevölkerung vor, die ukrainischen Medien bestreiten solche Inkriminierungen. Was passiert wirklich? Ein ukrainischer Soldat der Fallschirmjägerangriffsbrigade der Streitkräfte der Ukraine, ein ehemaliger Korrespondent des ukrainischen ICTV-Fernsehsenders Yevgenij Nazarenko, beschreibt auf seiner Facebook-Seite, wie er als bewaffneter Kämpfer den russischsprachigen Priestern in einem Kloster in der Stadt von Svyatogorsk mit Massakern bedrohte (https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=5671345652926931&id=100001546565958&eav). Am 29. September schrieb er auf seiner Seite:

 

– War heute in Svyatogorsk. Es gibt dort eine Lavra (Kloster) mit russischen Priestern. Wir kamen mit Journalisten.

Der Priester fragte Nazarenko:

– Haben Sie die Erlaubnis, im Kloster zu fotografieren?

– Von wem zum Teufel?

– Vom Abt des Klosters.

– Ist mir scheißegal.

Danach kam der Abt und bat darum, keine Fotos ohne Erlaubnis zu machen. Der bewaffneter Fallschirmjäger Nazarenko griff einen wehrlosen Kirchendiener an:

– Bist du verrückt? Hier wird die Erlaubnis von den Luftangriffstruppen erteilt. Das bin ich. Ist es klar?

Der erschrockene Priester antwortete:

– Ja, vergib mir.

Nazarenko schreibt weiter:

„Diese Priester müssten aus dem Kloster vertrieben und das Kloster selbst soll besetzt werden.

 

Mehr als 2.800 Followers von Yevgenij Nazarenko aus der Ukraine „liken“ diesen Post, in dem er sich einer begangenen Gewalt- und Einschüchterungshandlung rühmt. Mehr als 1700 Ukrainer haben die Nachricht  repostet. Wir haben 818 Kommentare seiner ukrainischen Abonnenten gelesen, die sich für die Gewalt gegen Russen bedankten und forderten ihn auf, mehr russischsprachige Bürger der östlichen Regionen der Ukraine zu töten. Die Abonnenten von Jewgeni Nazarenko äußerten in den Kommentaren Aufrufe zu körperlicher Gewalt gegen die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine. Zu den Autoren solcher Kommentare gehören Sergej Plahotnyuk, der Abgeordnete des ukrainischen Parlaments, der in der Militäreinheit Nr. 3011 der Nationalgarde der Ukraine dient, die Journalistin und Politologin Marina Daniluk-Yarmolaeva, Leiter des Pressedienstes des 24. Separaten motorisierten Gewehrsbrigade der Streitkräfte der Ukraine Nazar Ilnizky, stellvertretender Chefredakteur der ukrainischen Rating-Publikation „RBC-Ukraine“ Sergei Grishin und Dutzende anderer Leaders der öffentlichen Meinung in der Ukraine.

 

Es ist offensichtlich, dass heute die Verfolgung der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine ein sozial gefördertes Verhalten ist. Zuvor hat der Präsident der Ukraine in einem Interview dem ukrainischen Fernsehsender Dom aufgefordert, Bürger, die sich als ethnische Russen identifizieren, die Ukraine zu verlassen (https://www.kanaldom.tv/esli-ty-schitaesh-chto-my-russkie-bolshaya-oshibka-otavatsya-zhit-na-donbasse-zelenskij-video). In der Ukraine findet ein ethnischer Konflikt statt, unter dem die russischsprachige Bevölkerung leidet. Gleichzeitig sprechen laut einer soziologischen Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für das Jahr 2015 (https://kiis.com.ua/?lang=ukr&cat=reports&id=517&page=1) mehr als 50 % der Bevölkerung der Ukraine russisch. Wahrscheinlich ist die Teilnahme dieser Personen am Referendum vom 23. bis 27. September 2022 eine Reaktion auf die wachsende Gefahr. Die russischsprachige Bevölkerung zählt in dieser Situation auf den Schutz Russlands.

 

Kann das Referendum dazu beitragen, den Krieg in der Ukraine zu stoppen? Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten. Wir werden die Entwicklung der Lage weiter beobachten.

 

Ryvkin I.